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Weiblichkeit im Monotheismus

 
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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Die Jul 26, 2005 11:36 pm    Titel: Weiblichkeit im Monotheismus Antworten mit Zitat

Anana hat eine Seminararbeit zu dem Thema geschrieben, die hier zur Diskussion gestellt werden soll.

Hier eine Zusammenfassung:

Vorwort
Durch die Emanzipation der Frau in den letzten Jahren hat sich sehr viel Wut befreit.
Wut auf die Welt, die Gesellschaft und zuguterletzt auf die Kirche und somit auf die Monotheistische Vaterreligion.
Die Suche nach den Ursprüngen unserer Unterdrückung führt uns weit zurück in die Geschichte, lässt uns jedoch gleichzeitig auch erahnen, wie fatal die Verstossung der weiblichen Kräfte für die Entwicklung der Welt war - und ist.
Diese Arbeit befasst sich mit Peter Schäfers Artikel "Heilige Gewalt", insbesondere mit der Weiblichkeit Gottes.

Die Frage stellt sich ob die Alleinherrschaft Gottes wirklich die Schuld an Unterdrückung und Gewalt trägt, ob also ein Link zwischen Gewalttätigkeit und verdrängter Weiblichkeit besteht.
Dabei geht es nicht primär um das Verhältnis zwischen Frau und Mann sondern vielmehr um den Einfluss männlichen und weiblichen Verhaltens, welcher geschlechterübergreifend wirkt.

Dem feministischen Ruf nach Geschlechtergleichheit soll hier also nicht gefolgt werden.
Vielmehr geht es um die Wiederintegration weiblicher Werte in unsere androzentrierte Gesellschaft, was natürlich mit der Anerkennung der Frau als solche beginnt, jedoch schlussendlich viel tief greifender sein sollte.

Es geht um die Betonung weiblicher und männlicher Kompetenzen, die sich gerade in ihrer Differenziertheit ergänzen.
Untersucht wird diese Frage in erster Linie anhand der christlichen Geschichte.

I Das vormonotheistische Weltbild
Um auf die Konsequenz des Monotheismus einzugehen möchte ich in diesem Kapitel erläutern woraus er entstanden ist.
Angesprochen wird hier an erster Stelle die alte Götterordnung.
Diese Auseinandersetzung ist insofern wichtig, da hier die weiblichen Aspekte des Göttlichen noch eindeutig zum Tragen kommen.
Insbesondere Matriarchatsforscherinnen haben in den Mythen Asiens und Europas erstaunliche Parallelen aufgedeckt.

In diesen Götterzyklen (z.B. Isis/ Osiris oder Ishtar/ Tammuz) zeichnet sich stets dasselbe Schema ab, geprägt von den Rhythmen der Natur und dem Motiv des Todes und der Wiederauferstehung.
Diese Götterzyklen sind ein Relikt aus matriarchaler Zeit, die vermutlich dank ihrer Popularität sogar Eingang in die monotheistische Religion fanden.
Insbesondere die heilige Trinität konnte nicht verdrängt werden.

Diese besteht aus der Muttergottheit, die mit ihrem Gemahl den göttlichen Sohn zeugt.
Oftmals verschmelzen Vater und Sohn auch zu einem so genannten "Sohngeliebten", so ist Tammuz sowohl Ishtars Sohn als auch ihr Geliebter.
Der Sohngeliebte repräsentiert die grüne Vegetation, doch diese vergeht alljährlich, symbolisiert durch den Tod des Gottes.
Getötet wird der Gott meist durch einen verwandten Widersacher, sozusagen durch sein Alter Ego, z.B. Osiris und Seth.

Die Natur liegt brach, so tauscht Isis ihr grünes Kleid gegen das Trauergewand.
Es ist die Zeit der Dürre oder des Winters.
Doch die Göttin sucht und beweint ihren Geliebten bis sie ihn findet.
Oft taucht hier das Motiv der Unterweltsfahrt auf.
Dann führt sie ihn wieder ans Tageslicht (Tammuz) oder sie gebiert einen heiligen Nachfolger (Horus).
Der Widersacher wird in die Wüste geschickt oder vernichtet.
Da erblüht die Vegetation und Göttin und Gott feiern die Heilige Hochzeit, den Hieros Gamos.
Diese Mythen bildeten die Anweisung für die Rituale der Bevölkerung.

So wurde in Kanaan alljährlich eine zerrissene Nachbildung des Adonai hergestellt, die traditionell von Frauen gefunden wurde.
Schliesslich mündet die monotheistische Religion in der quasi vollständigen Verdrängung des Weiblichen aus der Göttlichkeit.
Doch sind die Konsequenzen der Verdrängung noch viel tief greifender.
Schon auf der Gesetzesstele Hammurapis, also vor knapp 4000 Jahren, ist die Frau beispielsweise im Falle eines Ehebruchs schlechter gestellt als der Mann.

Nichtsdestotrotz kann gerade der Monotheismus als Akt der Befreiung betrachtet werden, Befreiung von sowohl weltlicher als auch göttlicher Herrschaft.

Nachwort
Diese Arbeit ist bewusst nicht in einem wissenschaftlichen Rahmen abgefasst worden.
Dies würde mir nach meinem Wissen auch nicht zustehen.
Vielmehr soll sie eine Abhandlung über die Weiblichkeit Gottes darstellen, ist deshalb aber durch die Form und wohl auch der Brisanz des Themas wegen nicht wertfrei gestaltet worden.
Ich bemühe mich jedoch äusserst, diese Wertungen zu erklären.
Dabei halte ich mich bestmöglich an die Prinzipien der Ratio und der Intuitio, auch wenn die Zweite schriftlich schwer darzulegen ist.

An dieser Stelle möchte ich mich klar von feministischen Strömungen sowie auch der feministischen Theologie distanzieren.
Beide liefern wichtige Erkenntnisse dennoch kann ich nicht alles bejahen.

Womöglich stehe ich der umstrittenen Matriarchatsforschung am nächsten, wobei ich den entscheidenden Faktor nicht in der Existenz oder der Nichtexistenz vergangener Matriarchate sehe, sondern in den gesellschaftlichen Inputs, die durch den Beschrieb und die Erkenntnisse gegeben werden.

Die Auseinandersetzung mit dem Herrschaftsbegriff aber führt interessanterweise wieder zum Monotheismus zurück.
Ich möchte nochmals betonen, dass nicht dieser die Schuld an der Misere trägt.
Auch die Mosaische Unterscheidung kann dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Diese zwingt uns vielmehr Entscheidungen zu treffen, was nützlich ist.

Nicht vorgesehen ist aus meiner Sicht jedoch, für andere über wahr und falsch zu entscheiden.
Wenn wir bereit sind, bei uns selber zu beginnen, liegt im Monotheismus in der Tat ein Segen.
Denn dann wird die Weiblichkeit von selbst wieder Einzug in den Himmel halten.

Der ganze Text als pdf - ist natürlich aufschlussreicher.
_________________
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Zuletzt bearbeitet von Hannelore am Sam Jul 30, 2005 12:36 pm, insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragGeschrieben: Sam Jul 30, 2005 12:29 pm    Titel: Re: Weiblichkeit im Monotheismus Antworten mit Zitat

Anana hat folgendes geschrieben:
Die Auseinandersetzung mit dem Herrschaftsbegriff aber führt interessanterweise wieder zum Monotheismus zurück.
Ich möchte nochmals betonen, dass nicht dieser die Schuld an der Misere trägt.

Meines Erachtens nach bergen alle "Monos" ein zwangslaeufiges Ungleichgewicht, das so manche Misere auslöst.
Anana hat folgendes geschrieben:
Wenn wir bereit sind, bei uns selber zu beginnen, liegt im Monotheismus in der Tat ein Segen.
Denn dann wird die Weiblichkeit von selbst wieder Einzug in den Himmel halten.

Einem Ungleichgewicht damit zu begegnen das Gewicht in der leichteren Waagschale zu erhöhen, erscheint mir als ausgezeichnete Strategie, die eben auch im Feminismus angewandt wird und sich bewaehrt hat.
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