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Satanismus...

 
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JaNkO
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BeitragGeschrieben: Mon Feb 27, 2006 1:59 pm    Titel: Satanismus... Antworten mit Zitat

Liebe Forumsgemeinde,

meine Titelwahl scheint sicherlich sehr brisant aber steuert gezielt auf eine kleine Frage hin. Ist der Satanismus, so wie er sich uns heute darstellt, eine christlich (patriachalisch) verklärte Darstellung urmatriachaler Gebräuche und Kulte?

Der Grund zu dieser Vermutung ist eigentlich folgender. Der Konflikt zwischen christlichen und "heidnischen" Europäern ging letztlich im Feuer der Inquisition auf. Grund dafür waren Schriften und vermeintlich authentische Aufzeichnungen christlicher Theologen über heidnische bzw. matriarchale Bräuche. Diese Aufzeichnungen waren, wie sollte es auch anders sein, zumeist sehr einseitig und christlich verklärt. Des Weiteren stelle man sich vor, ein Priester oder Missionar solle etwas über eine weibliche Göttin berichten. Da das Weibliche aus Sicht der Patriarchen sowieso ein Sinnbild für Sünde, Unreinheit und Laster war, konnten diese "Heiden" nur mit dem Teufel im Bunde stehen. Man erinnere sich hier nur an den Sündenfall im Paradies. Es war immerhin eine Frau, die den Mann zur "Sünde" verführte.
Fleißige christliche Gelehrte und Schreiber sammelten und archivierten diese einseitig gefärbten Berichte und Dokumente. Mit der Inquisition wurden die alten Kulte und Riten verdrängt und vergessen, jedoch deren Dokumente nicht. Es muss wohl Menschen gegeben haben, die diese "satanistisch" gefärbten Berichte eines Tages in die Hände bekamen und einen Einblick in die verzerrte Sicht eines christlichen Schreibers und Gelehrten bekamen. Vorzugsweise mussten dies wohl in erster Linie Historiker gewesen sein. Somit bildete sich mit Beginn des 18. Jahrhunderts vermehrt ein christliches Phänomen heraus, was heutzutage als Satanismus bezeichnet wird und die urmatriarchalen Bräuche und Riten völlig missversteht. Sicherlich gab es bereits um das 12. Jahrhundert Gruppen in Südfrankreich und anderswo, die von der Kirche als Satanisten bezeichnet und aufgrund ihrer sündigen "Orgien" verdammt wurden. Bloß hätten sich diese Menschen auch tatsächlich selbst als Satanisten oder wohl doch eher als Verehrer der Großen Mutter gesehn? Gefragt wurden diese Menschen meist sowieso erst unter Folter und erpressten Geständnissen.

Ein empirischer Beweis für meine These ist ganz klar das Walpurgis-Fest zur Frühjahrstagundnachtgleiche im Harzraum! Das zeremonielle Verbrennen der schwarzen Göttin und somit dem Abschied der dunklen und kalten Jahreszeit hat sich zu einem patriarchalisch entstellten Fest mit diabolisch-christlichem Hintergrund gewandelt.

Mich interessen eure Meinungen dazu. Was meint ihr, kann man den heutigen Satanismus als ein christlich erzeugtes Phänomen verstehen? Kennt jemand vielleicht gute und ausgeglichene Literatur zu diesem Thema? Ich wäre euch sehr dankbar.

Alles Gute

JaNkO
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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Mon Feb 27, 2006 3:32 pm    Titel: Satanismus ist ein patriarchales Symptom Antworten mit Zitat

Zitat:
Bloß hätten sich diese Menschen auch tatsächlich selbst als Satanisten oder wohl doch eher als Verehrer der Großen Mutter gesehn?


Nein, Satanismus - egal wann und wo, geht nicht auf matriarchale Wurzeln zurück. Das Wort Satan ist hebräischen Ursprungs, gehört also zum semitischen (afroasiatischen) Sprachkreis. Er wurde von den frühen Juden als "Widersacher", Gegenspieler, zu den Göttern angesehen und zwar war dies die Zeit, als die Juden noch ein Pantheon hatten (nicht einen einzigen Gott!) das Patriarchat sich anfing zu formieren, Herschaftsstrukturen bildete, Gesetze entwickelte (Mosaische Gesetze), vereinfacht gesagt: das begonnen wurde das Gute und das Böse zu unterscheiden. Dadurch fand Satanus Einzug ins Christentum (aus alten, von Erasmus von Rotterdam zusammen gesammelten, hebräischen Texten wurde die Bibel erstellt).

Satan wird mit der Unterweltschlange gleichgesetzt, als die schwarze Sonne, Luzifer, und Teufel aller Art.

Satan, der dunkle Gott war der Widersacher des lichten Gottes. Das Muster wurde in den alten Kulturen mit Ausbreitung des Patr. überall übernommen: Osiris-Set, Apollo-Python, Anu-Aciel, Baal-Yamm usw.

Satan ist im Ägyptischen der Gott Set - beachte die ähnliche Wortform - und in den Volksmärchen die Unterweltschlange, d.h. der unsterbliche Drache, den der Sonnenheld töten musste.

Satanismus ist (wie das Neuheidentum, das sich auf die Götter der Germanen bezieht) ein Symptom des Patriarchats.

Man müsste diese Leute, die das praktizieren, mal fragen, welche Vorstellungen sie damit verbinden.

Apropos Große Mutter: Göttinnen (sprachlich) entstanden gleichzeitig mit den Göttern, das ist noch nicht so lange her. Ich habe bei Mitgliedern heutiger matriarchaler Ethnien angefragt. Das Wort Göttin wird zwar in Übersetzungen verwendet, aber in den indigenen Sprachen gibt es dafür keinen Begriff. Je nach Volksgruppe geht es dabei um einen Berg, einen See oder sonstige Naturelemente, immer irdisch und sprachlich neutral! Nicht er oder sie. Die Indianer sagen "großer Geist", die Maori "das Edle, Großartige".
Weil "großer Geist" im Deutschen DER große Geist heißt, sind Übersetzer schnell bei der Hand "großer Gott" zu verwenden, weil sie ja auch denken, das wäre das Gleiche.

Das Patriarchat hat sich eine Große Mutter, eine Göttin geschaffen, nämlich Maria. Maria bedeutet "Meer" in vielen Sprachen, das entspricht wieder dem Berg oder dem See, jenachdem, wo man wohnt. Aber es wurde/wird nicht angebetet.

Gebetet wird im Matrirchat überhaupt nicht, beten kommt von "bitten" und ist auch mit "betteln" verwandt. Worum sollten die Leute im Matriarchat bitten, wenn sie mit allem im Einklang stehen? Wenn alles "richtig" ist? Wenn es keine Defizite gibt? Die AhnInnen mit ihrem besseren Überblick sorgen ja nach bestem Wissen und Vermögen für die Lebenden, das ist matriarchalen Leuten bekannt, da kommt niemand auf die Idee, es besser zu wissen und zu betteln oder gar zu flehen, eventuell noch auf den Knien, absurd.

Noch Fragen?
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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Mon Feb 27, 2006 3:57 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hier habe ich noch einen Abschnitt aus dem Lexikon der Antike:

    Dualismus [griech.-lat.]: im Gegensatz zum Monismus die »Zwei-Prinzipien-Lehre«. Der anthropolog. D. kennt Leib und Seele, der kosmologische Materie und Idee, der religiöse und philosophische Licht und Finsternis. Den größten Einfluß übte der iran. D. in der Systematik des Zarathustra aus dem 1. Drittel des 1. Jahrt. v. u. Z. aus. Danach ist die Weltgeschichte nur das Bild eines Kampfes des guten Gottes gegen den bösen Gott um die Herrschaft über Mensch und Welt. Gnostischer, darunter auch manichäischer, rechnet Leib und Materie zum Bereich des bösen Demiurgen, Geist und Seele aber als Lebensäußerungen des guten Lichtgottes. In Judentum und Christentum sind alle Vorstellungen verbreitet, wie die Lehre von den zwei Äonen, vom Gegenüber von Gott und Satan und von Schöpfer und Erlöser zeigt.
    [Lexikon der Antike: Dualismus. Lexikon der Antike, S. 1473]


Satan ist ebenso ein Konzept wie Gott. Bzw. sie gehören zum gleichen Rechtfertigungskonzept für unsere RECHTsprechung (Gesetzgebung). Ohne dieses Konzept wäre in keiner patriarchalen Nation die Aufrechterhaltung des patriarchalen Systems möglich. Religion und Staat gehen immer Hand ind Hand.
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JaNkO
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BeitragGeschrieben: Mon Feb 27, 2006 4:38 pm    Titel: Re: Satanismus ist ein patriarchales Symptom Antworten mit Zitat

Hallo Hannelore,

danke für deine umfangreichen Antworten und ja, ich habe noch ein paar Fragen. Very Happy

Hannelore hat folgendes geschrieben:
Nein, Satanismus - egal wann und wo, geht nicht auf matriarchale Wurzeln zurück.


Ich hoffe ich habe deine Antwort nicht falsch verstanden, aber eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag ja aussagen, dass Satanismus, so wie wir ihn uns heute vorstellen, ein Resultat christlich-patriarchaler Verdrehung ist. Da matriarchale Kulte befremdlich gewirkt haben müssen auf so manchen christlichen Missionar, bezeichnete er womöglich matriarchale Stämme als Satanisten. Er verglich sozusagen seinen eigenen Erfahrungshorizont (durchwirkt von christlicher Doktrin) mit dem was er sah und deutete bzw. interpretierte ihre kultischen Handlungen und Riten als satanistisch und schrieb dies auch so nieder.
Ich wollte also nicht damit aussagen, dass Satanismus auf matriarchale Wurzeln zurückzuführen ist, sondern aus einer christlich-patriarchalen Verdrehung enstanden ist. Einer christlichen Fehldeutung matriarchaler Kulte und ritueller Handlungen wenn man so will. Confused

Hannelore hat folgendes geschrieben:

Satanismus ist (wie das Neuheidentum, das sich auf die Götter der Germanen bezieht) ein Symptom des Patriarchats.


Ja, ich beginne jetzt auch langsam deinen Standpunkt zu verstehen. Das Patriarchat kommt nicht ohne Dualismus aus. Als es angefangen hat seinem "Gott" wohlgemerkt menschliche, somit begrenzte und unvollkommene, Intelligenz beizumessen, erschien er ihnen einerseits als ein gutes und liebendes Wesen und andererseits als ein ein böses und leidbringendes Ungeheuer. Das Problem lag wohl ganz allein darin, dass der patriarchale Mensch einmal wieder seinen Projektionen verfiel und anfangen wollte mit seinem menschlichen Verstand Gott zu verstehen. Es musste also einen Widersacher geben, der dem liebenden Wesen gegenüberstand und für all das Leid verantwortlich sein musste. Um aus diesem Dilemma zu entfliehen, versuchte man nicht dem Dualismus zu entfliehen, sondern schuf einen liebenden Gott und einen leidbringenden Satan.

Hannelore hat folgendes geschrieben:

Man müsste diese Leute, die das praktizieren, mal fragen, welche Vorstellungen sie damit verbinden.


Das würde mich auch gern interessieren. Hättest du eine Vermutung was so ein Mensch antworten könnte? Smile

Hannelore hat folgendes geschrieben:

Apropos Große Mutter: Göttinnen (sprachlich) entstanden gleichzeitig mit den Göttern, das ist noch nicht so lange her. Ich habe bei Mitgliedern heutiger matriarchaler Ethnien angefragt. Das Wort Göttin wird zwar in Übersetzungen verwendet, aber in den indigenen Sprachen gibt es dafür keinen Begriff. Je nach Volksgruppe geht es dabei um einen Berg, einen See oder sonstige Naturelemente, immer irdisch und sprachlich neutral! Nicht er oder sie. Die Indianer sagen "großer Geist", die Maori "das Edle, Großartige".
Weil "großer Geist" im Deutschen DER große Geist heißt, sind Übersetzer schnell bei der Hand "großer Gott" zu verwenden, weil sie ja auch denken, das wäre das Gleiche.


Danke für diese Information! Wie du siehst fällt es mir außerordentlich schwer aus meinen sprachlichen Fallen auszubrechen. Aber dieser Abschnitt gefiel mir besonders gut und hat mich wirklich nachdenklich gestimmt! Das Dilemma mit der Sprache ist wirklich erstaunlich.

Hannelore hat folgendes geschrieben:

Das Patriarchat hat sich eine Große Mutter, eine Göttin geschaffen, nämlich Maria. Maria bedeutet "Meer" in vielen Sprachen, das entspricht wieder dem Berg oder dem See, jenachdem, wo man wohnt. Aber es wurde/wird nicht angebetet.


Was wird es dann, wenn nicht angebetet? Bzw. was offenbart man im Matriarchat seine Verehrung oder Dankbarkeit gegenüber der Fülle der Schöpfung und des Lebens?

Vielen Dank.

Jan
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wolfsmutter
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BeitragGeschrieben: Don Mar 02, 2006 5:36 pm    Titel: Re: Satanismus ist ein patriarchales Symptom Antworten mit Zitat

JaNkO hat folgendes geschrieben:
Was wird es dann, wenn nicht angebetet? Bzw. was offenbart man im Matriarchat seine Verehrung oder Dankbarkeit gegenüber der Fülle der Schöpfung und des Lebens?

Vielen Dank.

Jan
Man geht achtsam mit allem um. Wink
Matriarchale Menschen wissen, dass sie nicht der Nabel der Welt sind, um den sich alles drehen muss und leben danach.
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JaNkO
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BeitragGeschrieben: Fre Mar 03, 2006 11:05 am    Titel: Feste feiern und beten... Antworten mit Zitat

Hallo wolfsmutter,
aber wozu dann die ganzen Feste wie Walpurgisnacht, Frühjahrstagundnachtgleiche oder das Hekate-Fest ,wo doch im Grunde etwas verehrt oder gepriesen wird. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Begriff Zeit bzw. Zeitraum ein völlig anderer gewesen sein musste zur Zeit des Matriarchats. Besaß man Zeitmesser oder Kalender, die exakt vorraus sagen konnten, wann, wo und wie welche jahreszeitlich bedingten Wechsel eintreten würden? Man muss sicherlich froh über den jahreszeitlich bedingten Wechsel in der Natur gewesen sein, der dann auch gebührend gefeiert wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass man selbst im Matriarchat diesen Wechsel gepriesen hat und jedes Fest mit einer gewissen Dankbarkeit verbunden war. Von einer Selbstverständlichkeit möchte ich mal nicht ausgehen, denn dann würden enge Berührungspunkte zwischen dem heutigen Patriarchat und dem Matriaracht bestehen.

Gibt es also wirklich keine Verehrung von etwas Göttlichem im Matriarchat? Eine Verehrung in Form von Dankbarkeit gegenüber einer metaphysischen Instanz? Wenn nicht, wozu dann die Feste?

An dieser Stelle wollte ich noch an Hannelores These anknüpfen, dass beten von betteln abstammt. Es mag sein, dass beide den gleichen Ursprung im deutschen haben, aber ihre begriffliche und inhaltliche Trennung fand sicherlich nicht ohne Grund statt. Hier meine Thesen. Die englische Übersetzung von beten lautet "to pray". Das engl. Verb "pray" weist dabei eine erstaunliche Ähnlichkeit zum engl. Nomen und Verb "praise" auf (praise = Lobpreis; to praise = preisen). Hier stehen also beten und Lobpreisen bzw. preisen in enger Verbindung zueinander. Nun aber ein weiterer Punkt, woher das deutsche Wort beten stammen könnte. Die deutsche Sprache beinhaltet immer noch keltische Ausdrücke in sich (bspw. Loch). Im keltischen bezeichnete man mit Beten einen sog. Beten-Kult dreier Schicksalsgöttinen die später u.a. mit den germanischen Nornen gleichgesetzt wurde. Heutige Orte, die damalige Kultstätten der Beten waren, tragen dabei immer noch ihre Namen (Bedburg, Bettendorf, Beden, Les Bets, Bethoa usw.). Hat also das Wort Beten auch aus dieser Zeit womöglich seinen Ursprung?


Gruß

Jan
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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Fre Mar 03, 2006 2:03 pm    Titel: Re: Satanismus ist ein patriarchales Symptom Antworten mit Zitat

JaNkO hat folgendes geschrieben:

Ich wollte also nicht damit aussagen, dass Satanismus auf matriarchale Wurzeln zurückzuführen ist, sondern aus einer christlich-patriarchalen Verdrehung enstanden ist. Einer christlichen Fehldeutung matriarchaler Kulte und ritueller Handlungen wenn man so will. Confused

Nein, keine Fehldeutung matriarchaler Elemente, sondern Satan ist ebenso wie Gott durch die Entstehung des Patriarchats zu erklären, da gab es besondere Bedingungen, die dazu führten.

Zitat:
Ja, ich beginne jetzt auch langsam deinen Standpunkt zu verstehen. Das Patriarchat kommt nicht ohne Dualismus aus. Als es angefangen hat seinem "Gott" wohlgemerkt menschliche, somit begrenzte und unvollkommene, Intelligenz beizumessen, erschien er ihnen einerseits als ein gutes und liebendes Wesen und andererseits als ein ein böses und leidbringendes Ungeheuer. Das Problem lag wohl ganz allein darin, dass der patriarchale Mensch einmal wieder seinen Projektionen verfiel und anfangen wollte mit seinem menschlichen Verstand Gott zu verstehen.

Nein, so war es nicht. Gott ist ein Konzept, dessen Herausbildung in den prä-israelischen Stämmen am besten zu beobachten ist. Im Matriarchat gibt es wie gesagt, keinen Gott und keine Göttin. Die Prä-Israeliten hatten wie andere Völker der damaligen Zeit ein Pantheon, und das bildete sich aus dem matriarchalen Ahnenkult.

Stichwortartig: Im Matriarchat verläuft das Leben zyklisch (Kind, Erwachsener, Alter/Alte, Ahne/Ahnin), wie die Jahreszeiten oder die Mondphasen. (Manchmal werden auch nur drei davon gezählt und Neumond, Winter und Ahnen (das "Unsichtbare") weggelassen, dann haben wir eine Trinität und daraus kommen die drei Bethen, Nornen und viele andere und auch die christl. Dreifaltigkeit und die antike dreifache Göttin.)
Bei der Entstehung des Patriarchats spielte die Sonne eine große Rolle. Sie ist Lebensspenderin und ohne sie ist Leben undenkbar. Durch die Klimaverschiebungen (lies "Saharasia" und "Wie Gewalt entsteht" bei www.matriarchat.info unter Politik+Ökonomie>Gewalt+Herrschaft) trockneten große Gebiete aus, die Sonne verbrannte die Erde, Hungersnöte entstanden, ein traumatisches Erlebnis wo die Menschen ansehen mussten wie ihre Brüder, Schwestern, Familien, Clans und ganze Stämme dahin starben. Es ist eine verzweifelte Situation!

Das machte die geliebte Sonne plötzlich ambivalent. Die lebensspendende Sonne wurde Zerstörerin.

Menschen versuchen zu verstehen, was um sie herum vor sich geht, und sie verstanden diese Ereignisse als Strafe oder ähnlich. Die AhnInnen (vorher ganz real als RatgeberInnen und die Weisheit schlechthin konsultiert) konnten nicht mehr helfen. Sie wurden aus der Erde, wo sie an ihrer Begräbnisstätte einen Schrein hatten, ganz allmählich nach oben in den Himmel transferiert. (Einen Artikel dazu gibt es auf www.matriarchat.info, unter Praxis>Sprache>Wie die AhnInnen...)

Daraus entwickelten sich liebende, die Menschen versorgende Gottheiten (was vorher die Ahninnen waren) und zerstörerische Gottheiten, was neu war, denn diese Erfahrung gab es vor der Klimaveränderung nicht. Die indische Kali symbolisiert wohl am besten diese Ambivalenz als gute Mutter und Zerstörerin. Ein dualistisches Konzept des Guten und des Bösen entwickelte sich. Und alles Weitere geht darauf zurück und lässt sich daraus erklären.

Zitat:
Hannelore hat folgendes geschrieben:

Man müsste diese Leute, die das praktizieren, mal fragen, welche Vorstellungen sie damit verbinden.


Das würde mich auch gern interessieren. Hättest du eine Vermutung was so ein Mensch antworten könnte? Smile

Nee, sonst würde ich ja nicht fragen wollen.

Zitat:
Hannelore hat folgendes geschrieben:

Apropos Große Mutter: Göttinnen (sprachlich) entstanden gleichzeitig mit den Göttern, das ist noch nicht so lange her. Ich habe bei Mitgliedern heutiger matriarchaler Ethnien angefragt. Das Wort Göttin wird zwar in Übersetzungen verwendet, aber in den indigenen Sprachen gibt es dafür keinen Begriff. Je nach Volksgruppe geht es dabei um einen Berg, einen See oder sonstige Naturelemente, immer irdisch und sprachlich neutral!


Was wird es dann, wenn nicht angebetet? Bzw. was offenbart man im Matriarchat seine Verehrung oder Dankbarkeit gegenüber der Fülle der Schöpfung und des Lebens?


Verehrung und Dankbarkeit scheinen für dich etwas Selbstverständliches, Gegebenes zu sein. Sind sie aber nicht. Beides ist patriarchal.
Im Matriarchat gibt es Respekt - vor sich selbst und allem anderen. Nicht zu verwechseln mit der Angst vor einer Person, die sich gewaltsam "Respekt verschafft", das ist Gehorsam. Gehorsam gibt es wiederum im Matriarchat nicht.

Wenn du die traumatische Erfahrung machst, dass Mutter Natur dir die Nahrung verweigert, dann entsteht Dankbarkeit für die Momente, wo sie so freundlich ist und es nicht tut. Und daraus entsteht auch das Bitten/Beten, dafür dass auch morgen noch alles in Ordnung ist.

Und aus voreiligem Gehorsam (typisch in allen patriarchalen Bereichen, nicht nur im religiösen) loben und preisen wir (pray, praise), damit es so bleibt und wer oder was immer auch dafür verantwortlich ist, GNÄDIG gestimmt ist.

Alles zu haben, was jemand braucht ist plötzlich nicht mehr selbstverständlich, es wird als Gnade aufgefasst, wir müssen es uns verdienen (keiner weiß, womit eigentlich).

Im Patriarchat steht immer die Angst der Unsicherheit hinter allen Handlungen. Du kannst alle patriarchalen Symptome darauf zurück führen. Das wurde und wird von Generation zu Generation weiter gegeben, deshalb ist es immer noch so.
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BeitragGeschrieben: Fre Mar 03, 2006 3:45 pm    Titel: Re: Feste feiern und beten... Antworten mit Zitat

JaNkO hat folgendes geschrieben:
Gibt es also wirklich keine Verehrung von etwas Göttlichem im Matriarchat? Eine Verehrung in Form von Dankbarkeit gegenüber einer metaphysischen Instanz? Wenn nicht, wozu dann die Feste?
Gibts nix anderes zu feiern als GoettInnen?
Feiere dich selber, deine Liebsten, die Schoenheit des Augenblicks, die Wiederkehr vertrauter Dinge, eine erledigte Aufgabe, einen herbeigerufenen erfuellten Wunsch, ...
Feiere um des Feierns Willen Wink
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