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Gleichberechtigung in der Sprache!?

 
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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Fre Jul 19, 2002 1:11 pm    Titel: Gleichberechtigung in der Sprache!? Antworten mit Zitat

Weitergeleitete Nachricht von Detlef Naumann (detlef.naumann@gmx.de):

    Hallo Redaktion,

    mit Interesse habe ich Ihre Site und den Bericht im AUDIMAX gelesen.
    Leider ist z.Z. in meinen Augen nicht mehr die Gleichberechtigung und
    das Gendermainstreaming im Focus der Frauenbeauftragten, sondern die
    Unterdrückung des Mannes in der Gesellschaft. Ich bin für eine
    Gleichberechtigung, aber bitte auch mit allen Pflichten, wie z.B. der
    Wehrpflicht.

    Aber um auf Ihren Bereich näher einzugehen; Sie fordern ja die
    sprachliche Gleichberechtigung z.B. durch die Ergänzung weiblicher
    Berufsbezeichnungen Kaufmann - Kauffrau. Können Sie mir nun bitte
    verraten, wie die männliche Bezeichnung für "Schwester" oder "Hebamme"
    lauten? Oder bin ich jetzt Mitten im Geschlechterkampf gelandet? Eben
    wie ich eingangs schrieb, nicht die Gleichberechtigung sondern die
    Unterdrückung ist das Ziel?

    Vielleicht denken Sie bei Ihren nächsten Forderungen auch daran.
    Vielleicht denken Sie auch daran, dass die Berufsbezeichnungen zum Teil
    einer historischen Entwicklung entstammen. Wenn ich den Artikel in
    AUDIMAX richtig gelesen habe, so möchten Frauen gerne "gleich" behandelt
    werden, aber eben nicht gleich, wenn es um unangenehme Arbeiten geht,
    dann möchten sie doch lieber wieder Frau sein.

    Ich bin in den letzten zwei Jahren sehr nachdenklich über diese
    Gleichberechtigung geworden.

    Im Sinne einer ausgewogenen Gesellschaft

    Detlef Naumann

    --
    Detlef Naumann Tel: 040/7657553
    Kommunikationswirt (KAH) Fax: 040/765 76 34
    Steinikestr. 12 Mobil: 0179/512 22 89
    21073 Hamburg EMail: Detlef.Naumann@gmx.de

    Sprecher für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des
    Väteraufbruch für Kinder Landesverein Hamburg e.V.


    www.vafk.de

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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Fre Jul 19, 2002 1:58 pm    Titel: Re: Gleichberechtigung in der Sprache!? Antworten mit Zitat

Lieber Detlef,

Zitat:

mit Interesse habe ich Ihre Site und den Bericht im AUDIMAX gelesen.


Ich zeichne verantwortlich für meine Site, aber von einem Bericht im AUDIMAX ist mir nichts bekannt. Question

Zitat:
Leider ist z.Z. in meinen Augen nicht mehr die Gleichberechtigung und
das Gendermainstreaming im Focus der Frauenbeauftragten, sondern die
Unterdrückung des Mannes in der Gesellschaft.


Kann sein, was ist daran neu? Frauen und Männer werden schon seit etwa 4500 Jahren von einer kleinen Anzahl Machtbesessener ausgebeutet. Männer werden zum Morden erzogen (Wehrdienst) und müssen da mitmachen, was die AmerikanerInnen "ratrace" nennen, werden künstlich davon abgehalten, in Muße mit ihrer Familie zu sein usw. usw.

Was wollen Sie dagegen tun?

Zitat:
Ich bin für eine Gleichberechtigung, aber bitte auch mit allen Pflichten, wie z.B. der Wehrpflicht.


Frauen sollen auch morden, nur weil es Männer müssen??

Da scheint Ihnen die Logik abhanden gekommen zu sein shake

Zitat:
Aber um auf Ihren Bereich näher einzugehen; Sie fordern ja die
sprachliche Gleichberechtigung


Falsch.
Ich bin ganz und gar nicht für Gleichberechtigung, auch nicht in der Sprache. Was ich fordere ist, dass weibliche Personen genannt werden, wenn sie vorkommen. Sonst nix.

Zitat:
z.B. durch die Ergänzung weiblicher
Berufsbezeichnungen Kaufmann - Kauffrau.


Wenn es sich bei der betreffenden Person um eine Kauffrau handelt, ist sie kein Kaufmann, nicht? Das wäre grammatikalisch und inhaltlich falsch und außerdem unverständlich. Die Kaufmann Renate Müller?

Zitat:
Können Sie mir nun bitte verraten, wie die männliche Bezeichnung für "Schwester" oder "Hebamme" lauten?


Für Schwester wird nicht etwa der Begriff "Bruder" verwendet (wie es im kirchlichen Bereich gehandhabt wird), sondern mann hat sich für "Pfleger" entschieden. Das Äquivalent zu "Hebamme" ist "Geburtshelfer", obwohl die Tätigkeiten der beiden Berufe nicht exakt übereinstimmen. Denn ein Mann kann nun mal keine Amme sein. Wozu dann eine Bezeichnung?

Diese Diskrepanz ist genau der Grund, weshalb ich nicht für Gleichgerechtigung bin, denn die Geschlechter sind nicht gleich, noch nicht mal die einzelnen Persönlichkeiten.


Zitat:
Vielleicht denken Sie auch daran, dass die Berufsbezeichnungen zum Teil einer historischen Entwicklung entstammen.


Tja, als es noch Marktfrauen gab..., genau wie die Hebammen entstammen sie historisch einer Zeit, wo Männer UND Frauen eigene Domänen hatten und das andere Geschlecht sich da jeweils rausgehalten hat!

Zitat:
Wenn ich den Artikel in
AUDIMAX richtig gelesen habe, so möchten Frauen gerne "gleich" behandelt werden,


Wie gesagt, weiß ich nichts über diesen Artikel. Aber es gibt natürlich Frauen, die gleich behandelt werden möchten, was auch immer die darunter verstehen - ich zähle mich nicht dazu.

Zitat:
Ich bin in den letzten zwei Jahren sehr nachdenklich über diese
Gleichberechtigung geworden.


Da haben wir etwas gemeinsam :wink:

Hannelore
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BeitragGeschrieben: Don Jul 25, 2002 11:45 pm    Titel: ich bin dafür Antworten mit Zitat

ich denke das es ein problem ist,das in der sprache immer das maskuline verwendet wird,deshalb rege ich an,ab heute nicht mehr rüde sondern rüdinin!des weiteren ist es mir ein anliegen,das es ab heute nicht mehr wasserhahn sondern wasserhuhn heißt!

Mit freundlichen Gruß ein Leidensgenosse

-=ONE=-$!|3nT-K!||3r
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BeitragGeschrieben: Fre Aug 30, 2002 3:37 pm    Titel: Re: ich bin dafür Antworten mit Zitat

Ich meine, daß es keinen Grund gibt, eine Kauffrau als Kaufmann zu bezeichnen. Das ist ein Sprachgebrauch, wie er in der DDR üblich war, sich aber nicht im übrigen Deutschland durchgesetzt hat. Wo es so einfach ist, sollte man selbstverständlich die weibliche Form benutzen.

Andererseits kann die - gelegentlich durch Dekret erzwungene - Geschlechtsneutralisierung eines Textes zur Erschwernis der Leserlichkeit führen. Wo auf Personen verwiesen wird, müssen nicht nur die entsprechenden Nominalendungen, sondern auch die jeweils dazugehörigen Artikel, Adjektive und Pronomen doppelt angeführt werden. Das ist weder besonders ästhetisch, noch denke ich, daß man dem Leser die dahinterstehende Absicht sonderlich schmackhaft macht.
Tabasco
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BeitragGeschrieben: Fre Aug 30, 2002 7:18 pm    Titel: Re: ich bin dafür Antworten mit Zitat

Elke Philburn hat folgendes geschrieben:
Andererseits kann die - gelegentlich durch Dekret erzwungene - Geschlechtsneutralisierung eines Textes zur Erschwernis der Leserlichkeit führen. Wo auf Personen verwiesen wird, müssen nicht nur die entsprechenden Nominalendungen, sondern auch die jeweils dazugehörigen Artikel, Adjektive und Pronomen doppelt angeführt werden. Das ist weder besonders ästhetisch, noch denke ich, daß man dem Leser die dahinterstehende Absicht sonderlich schmackhaft macht.


In den meisten Fällen, wenn es um konkrete Personen geht, sind diese ja entweder männlich oder weiblich, und dann sehe ich das Problem nicht, die entsprechenden Formen zu benutzen. Und in den anderen Fällen, z.B. Gesetzestexten, wo es wichtig ist, niemanden auszuschliessen, kommt es doch auch nicht mehr auf die Ästhetik draufan ;)
Gerade juristische Texte sind doch per Definition weder ästhetisch noch schmackhaft. Wenn nicht darauf geachtet wird, kommt es doch immer wieder zu solch hübschen Schmankerln wie z.B. im Schweizer Arbeitslosengesetz, wo von "Bezügern, die schwanger sind" die rede ist.

:herz:- liche Grüsse

T.
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BeitragGeschrieben: Sam Aug 31, 2002 1:54 am    Titel: Re: ich bin dafür Antworten mit Zitat

Naja, aber gerade Gesetzestexte sind oft schon so gestelzt geschrieben, daß das männlich-weiblich-Hickhack die Lesbarkeit noch schwerer macht.

Ich sehe deshalb absolut keinen Grund, warum man nicht - meinetwegen - von >>schwangeren Sozialhilfeempfängerinnen<< sprechen sollte. Nichts einfacher als das.

Daß wir als Frauen oftmals unter der männlichen sprachlichen Form subsumiert werden, empfinde ich nicht unbedingt als Benachteiligung. Männer haben im Gegenzug den Nachteil, daß ihnen die Sprache keine spezifische grammatische Form bietet, mit der nur sie angesprochen werden könnten.

Gruß,

Elke
Hannelore
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BeitragGeschrieben: Son Sep 01, 2002 4:36 pm    Titel: Re: ich bin dafür Antworten mit Zitat

Elke Philburn hat folgendes geschrieben:
Naja, aber gerade Gesetzestexte sind oft schon so gestelzt geschrieben, daß das männlich-weiblich-Hickhack die Lesbarkeit noch schwerer macht.


Nimm doch mal dieses Forum als Beispiel. (Möglicherweise habt ihr alle das Forum auf Englisch und kriegt nicht mit, wie schön ich alles genusneutralisiert habe Very Happy ). Im Profil könnt ihr auf Deutsch umstellen.
Besonders in den FAQ gibt es ein paar Ausdrücke, die sind schon lang. Aber als ich mich entschlossen hatte, diese Art Forum zu verwenden, waren nur die "Benutzer" angesprochen. Es hat sich einfach nicht richtig für mich angefühlt. Zuerst überlegte ich, ob ich NUR weibliche Formen verwenden sollte...

Zitat:
Daß wir als Frauen oftmals unter der männlichen sprachlichen Form subsumiert werden, empfinde ich nicht unbedingt als Benachteiligung.


Es ist nicht so tragisch, wenn du dir darüber bewusst bist. Aber viele Frauen haben ein echtes Identitätsproblem und Mädchen wollen erst mal eine Identität entwicklen. Wenn sie sprachlich nicht vorkommen - und das ganze Leben besteht ja aus Sprache, auch die Gedanken - ja, wo kommen sie denn dann vor?

Zitat:
Männer haben im Gegenzug den Nachteil, daß ihnen die Sprache keine spezifische grammatische Form bietet, mit der nur sie angesprochen werden könnten.


Falsch.
Männer haben im Patriarchat nicht solche Nachteile.
1. Sie haben eine Form, mit der nur sie angesprochen werden können (der Kaufmann, Herr Müller, der Schüler).
2. Bevor der Begriff ausgesprochen oder geschrieben wird, ist der erste Gedanke immer das Männliche. Wenn dann klar ist, die Person ist schwanger, wird "weiblich" gedacht.
Du kannst die Probe machen, hier ein paar Schlagzeilen:

Grubenunglück: 5 Tote
Chefarztwahl in Hamburg wird vertagt.
Kunstkritiker bekam Drohbriefe.


An wen würdest du zuerst denken, wenn du das in der Zeitung liest, bzw. was denkst du, denken die meisten?

3. Männer wollen keine gemeinsame Form, die nicht klar stellt, dass es sich auf das Männliche beziehen könnte. Alles was einen weiblichen Touch hat, hat wenigstens einen männlichen Artikel: Der Hermaphrodit, der Zwitter etc.

Das hat sich in den Jahrtausenden Patriarchat so entwickeln müssen, weil Sprache das Denken abbildet und das Weibliche unterdrückt wird.

Siehe auch hier:
http://frauensprache.com/geringer_einbezug.htm

Noch was: Ich muss meine Prioritäten abwägen. Will ich Bequemlichkeit (leichtere Lesbarkeit) oder einen Platz in der Gemeinschaft?
Für mich es es prima, wenn die Leute ständig über die Doppelform oder das Binnen-I stolpern! Sollen sie sich was Neues ausdenken! Sollen sie sich mit der Problematik, die DAHINTER steckt, konfrontieren!

Jedesmal eine Gelegenheit, meine Argumente auszupacken :greenjump

H.
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BeitragGeschrieben: Mon Sep 02, 2002 6:25 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Die neutralen Formen, z. B. "die Studierenden" lösen m. E. nicht das Problem, daß in unserer Vorstellung Frauen ausgeblendet werden. Männer und vielfach auch Frauen denken, wie in den von Dir aufgeführten Beispielen, immer an Männer. Frauen kommen in den Köpfen nicht vor, wenn sie nicht ausdrücklich genannt werden. Beispiel: Ich habe in einem Buch über "400 Jahre Schulwesen" verzweifelt gesucht, ab wann Mädchen die Lateinschulen besuchen durften. Fehlanzeige! Auf 350 Seiten gab es nur Schüler und Lehrer. Ich wette, der Autor ist nicht einmal auf die Idee gekommen, daß Mädchen ebenfalls existieren und daß die Entwicklung ihrer schulischen Möglichkeiten wenigstens ein Alibikapitelchen wert ist. Weiteres Beispiel: Probevortrag für eine Lehrstuhlbesetzung über das Zollwesen im 19. Jahrhundert: Es wird über den Kleinschmuggel von Einheimischen berichtet, die vielfach das Schmuggelgut unter der Kleidung versteckt hätten. Meine Frage an den Vortragenden, daß doch die weibliche Kleidung besonders gut zum Verstecken geeignet gewesen sei, ich mir aber nicht vorstellen könne, daß die männlichen Zollgeamten eine Leibesvisitation durchführen durften, führten beim Vortragenden zu Irritation. Gewiß, er habe über weibliche Delinquenten gelesen, und er könne sich Leibesvisitation durch männliche Beamte auch nicht vorstellen. Da war wieder klar, daß selbst ein Professor in seinem Spezialgebiet nicht daran denkt, daß es auch Frauen gibt. Das Rätsel hat übrigens mein Mann gelöst, der im Grenzgebiet aufgewachsen ist, und mir erzählt hat, daß früher die Ehefrauen der Zollbeamten vereidigt wurden und die Leibesvisitation bei weiblichen Personen vorgenommen haben.

Ich bin deshalb dafür, Frauen explizit zu nennen. Nicht durchgängig und nicht aus Prinzip, aber ich will den Nachweis, daß Frauen mitbedacht und mitgemeint sind.

Ein männlicher Autor ist mir einmal sehr positiv aufgefallen: in einem psychologischen Fachbuch hat er seine Beispiele immer auch aus Erfahrungsbereichen gewählt, die Frauen gut kennen. Ein Beispiel, das mir haften geblieben über eingeübte Abläufe: wie schwierig und zeitaufwendig Pfannkuchenbacken in einer fremden Küche ist. In seinen Aufsätzen ging aus allem hervor, daß er sowohl an Frauen als auch an Männer denkt. So kann frau auch sehr gut unterscheiden, ob sich z. B. ein Politiker wirklich für die lieben Wählerinnen interessiert. Es genügt nicht, wenn er die lieben Wählerinnen nur anspricht, sie sollten auch in seinem Programm vorkommen und er sollte etwas für sie tun.

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Hannelore
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BeitragGeschrieben: Mon Sep 02, 2002 8:15 pm    Titel: Noch ein Beispiel Antworten mit Zitat

Dabei fällt mir noch ein Beispiel ein:

Ein bekannter Autor und Schreibtrainer, also jemand, dessen Spezialgebiet Sprache ist, schreibt im Vorwort seines Buches "Über das Schreiben":

    Unter meinen Studenten, Lesern und Freunden sind Frauen zahlreicher vertreten als Männer. Ich bin sicher, dass sie mir verzeihen, wenn ich die männliche Form für beide Geschlechter verwende. Es würde mich selbst ebenso wie meine Leser vom Wesentlichen ablenken, wenn ich ständig beide Formen aufführen würde.



Da frage ich mich doch, warum er nicht die weibliche Form für beide Geschlechter verwendet, wenn sein weibliches Publikum größer ist?

H.
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BeitragGeschrieben: Die Sep 03, 2002 1:43 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr richtig! Gerade beim Schreiben hätte sich doch angeboten, die LeserInnen, StudentInnen usw. anzusprechen, das wäre nicht länger und umständlicher und es wäre klar, daß männliche Personen auch gemeint sind.

Mir kommt es darauf an, daß die Sprache verwendet wird, um Frauen aus den Köpfen verschwinden zu lassen, daß dieses Verschwinden der Frauen das Problem ist und die Sprache nur der Ausdruck davon.

Jede Frau macht ständig die Erfahrung, daß sie eine gute Idee äußert, die wird nicht aufgegriffen und kommentiert und ein paar Minuten später äußert ein Mann die gleiche Idee. Dann wird er beglückwünscht und die Idee wird realisiert, als ihr Schöpfer gilt der Mann. Dieses Phänomen ist auch wissenschaftlich hinreichend beschrieben worden.

Das Schlimme ist, daß dieses Schema völlig unbewußt abläuft und die beteiligten Männer und oft auch Frauen nicht bemerken, was da abläuft. Das ist das internalisierte Patriarchat.

Es ist wichtig, sich diesen Mechanismus bewußt zu machen und in Teambesprechungen usw. darauf zu achten, daß gute Ideen von Frauen aufgegriffen werden und penetrant auf die Urheberschaft der Frau hinzuweisen. Ich plädiere sehr dafür, daß wir uns unsere Kommunikation bewußt machen und unsere Unterstützung durch Nicken, Lächeln usw. denen verweigern, die sich nicht fair verhalten.
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BeitragGeschrieben: Mon Mar 03, 2003 8:08 pm    Titel: Re: Gleichberechtigung in der Sprache!? Antworten mit Zitat

Hi Sistas,

zu dem Thema sprachliche Gleichberechtigung habe ich eine kleine Anekdote:

Vor zwei Jahren habe ich ein Seminar organisiert, welches zwar kein reines Frauenseminar war aber wundersamerweise nur von Frauen gebucht wurde.

Nachdem ich alles unter Dach und Fach gebracht hatte schrieb ich einen Rundbrief in dem ich allen Teilnehmerinnen die Details zum Programm und zur Anreise erklärte.

Da ich zu dieser Zeit mit der Serienbrieffunktion in Word noch nicht vertraut war :wink: schrieb ich einfach "Liebe Teilnehmerin"

Mein Vater und mein Lebensgefährte (beide Geschäftsleute) verfolgten schon Wochen vorher teils argwöhnisch teils überheblich lächelnd die Entwicklung der Vorbereitungen (zumal sich auch meine Mutter und meine Schwester zu dem Seminar angemeldet hatten) Aufeinmal jedoch bekamen Sie die Briefvorlage zu Gesicht...

Unabhängig voneinander reagierten sie gleich:

Mein Vater (per Mail): Das kannst Du so nicht schreiben! Schreib lieber "liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen"
Gut gemeint, Papa, aber leider gibts da keine Teilnehmer... Rolling Eyes
Mein Lebensgefährte (leicht verunsichert):Machen da keine Männer mit...?
Nee, wieso...? :wink:

Hihi, also was lernen wir daraus? Auf ein gönnerhaftes "Aber Mädels, ihr seid doch immer mitgemeint" kann ich dankend verzichten! Denn sobald man den Spieß (damals unabsichtlich, inzwischen immer wieder gerne mit Genuss!!) umdreht, bricht Panik aus!

Also Schwestern, weitermachen! Es gibt noch viel zu tun - räumen wir auf gocrazy

Greetz, Mischma
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BeitragGeschrieben: Sam Dez 13, 2003 9:02 pm    Titel: ein gräßlicher Auswuchs! Antworten mit Zitat

Also ich kann zu dieser erzwungenen fanatischen gschlechtsneutralen Sprache nur sagen, daß es teilweise jeden sprachlich interessierten Menschen dabei nur die Tränen in die Augen treiben kann(habe letztens in einer Zeitung "der Gast die Gästin" gelesen). Ich warte bis endlich alle Bücher geschlechtsneutral erscheinen müssen(von Goethe "der Faust die Faustin" oder so). Aber weil man eben mit der Sprache nicht umgehen kann wie mit einem Stück Fleisch beim Metzger(hacken wir schnell alles zu wie wirs brauchen) bin ich überzeugt, daß sich das fanatische Geschlechtsneutralisieren nicht durchsetzen wird auf Dauer.
mit Grüssen
Cuchillo
Hannelore
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BeitragGeschrieben: Sam Dez 13, 2003 11:37 pm    Titel: Re: ein gräßlicher Auswuchs! Verbesserungen sind erwünscht Antworten mit Zitat

Cuchillo hat folgendes geschrieben:
Also ich kann zu dieser erzwungenen fanatischen gschlechtsneutralen Sprache nur sagen, daß es teilweise jeden sprachlich interessierten Menschen dabei nur die Tränen in die Augen treiben kann

Ja, was kann man von Zwangssituationen anderes erwarten, als Tränen in den Augen? Es ist halt traurig, dass die patriarchale Sprache, wie sie sich in den letzten 5000 Jahren entwickelt hat, wirklichen Schaden anrichtet.

Zitat:
(habe letztens in einer Zeitung "der Gast die Gästin" gelesen).

Es wird immer Leute geben, die Halbverstandenes irgendwie falsch umsetzen...
Wieviele gibt es, die Fremdwörter sinnverfälscht verwenden? Meistens ist das eher komisch, und das mit der "Gästin" ist es ebenfalls. So mann Humor hat.
Andererseits macht "die Gästin" auf einen soziologischen Missstand aufmerksam, und hat von daher eine gewisse Berechtigung (ist natürlich Geschmacksache), während etwa falsch gebrauchte Fremdwörter nur auf niedriges Bildungsniveau hinweisen.

Zitat:
Ich warte bis endlich alle Bücher geschlechtsneutral erscheinen müssen(von Goethe "der Faust die Faustin" oder so).


Die Bibel wird gerade "geschlechtsneutralisiert", was ich als Augenwischerei empfinde. Denn gerade dieses Buch ist äußerst patriarchal und wird immer Weiblichkeit diffamieren, egal wie die einzelnen Textstellen verändert werden.

Zitat:
Aber weil man eben mit der Sprache nicht umgehen kann wie mit einem Stück Fleisch beim Metzger(hacken wir schnell alles zu wie wirs brauchen) bin ich überzeugt, daß sich das fanatische Geschlechtsneutralisieren nicht durchsetzen wird auf Dauer.


Dem Vergleich mit dem Metzger kann ich zustimmen, wenn ich Wörter wie "Gästin, Mondin, Kalenderin" etc. lese, denn ich mag Sprache. Aber
1. hat nicht jedeR ein Gefühl dafür
2. wird sich geschlechtsneutrale Sprache durchsetzen, hat sie eigentlich schon (Ich lese gerade zur Begutachtung eine deutsche Dissertation, sogar mit einem Preis ausgezeichnet, wo das Binnen-I von vorne bis hinten verwendet wird).
3. ich lade alle Männer (und Frauen) ein, sich klarzumachen, was unter geschlechtsneutraler Sprache zu verstehen ist und welche Absicht dahinter steht.

Geschlechtsneutrale Sprache NENNT Frauen, WENN sie VORKOMMEN.

Nicht mehr und nicht weniger.

Deshalb sagen die PolitikerInnen mittlerweile: "Liebe Wählerinnen und Wähler", während das vor ein paar Jahren nur "Liebe Wähler" hieß.

Die Problematik geht an Komplexität weit über Sprachregelungen und Grammatik hinaus, sondern betrifft das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen von Frauen, bzw Töchtern/Mädchen.

Es gibt ausführliche Studien dazu, aber hier in Kürze:

Wir denken hauptsächlich in Sprache. Was in Sprache nicht vorkommt, kann auch nicht gedacht werden. Wenn Frauen nur das Wort "Motorradfahrer" hören, aber nie "Motorradfahrerin", werden sie nicht auf die Idee kommen, sich jemals auf so eine Maschine zu setzen.

(Bitte beliebige Beispiele und deren Folgen selbst erdenken.)

Die Konsequenz: Weibliche Identität entwickelt sich vom Kleinkindalter an gemäß sprachlicher Vorgaben. Und diese schließen weibliche Menschen aus sehr vielen Bereichen aus, wenn es keine Begrifflichkeit dafür gibt.

Das ist, was "fanatische Menschen" ändern wollen.
Wenn sie dabei Unwörter wie "Gästin" erfinden (müssen), halte ich das für das kleinere Übel, denn dabei kommt niemand zu Schaden und es zeigt außerdem die Unbrauchbarkeit patriarchaler Sprachen.

Die Sprachen matriarchaler Völker waren/sind dagegen sehr, sehr viel reicher und differenzierter. Nicht nur bzgl. der Geschlechter, sondern auch die Generationen und zwischenmenschlichen Beziehungen betreffend.
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BeitragGeschrieben: Mon Dez 15, 2003 7:30 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Herrschaftsdominierte Sprache ist ein Problem.

Sie nimmt uns die Möglichkeit etwas anderes zu denken. Unsere deutsche Sprache ist dabei sogra noch einer der schlimmsten, weil Subjekt, Objekt und Verb die Beziehungen zwischen diesen Wortarten ziemlich genau definieren.

Wenn also kein weibliches Bild gesprochen wird, existiert das dann auch nicht.

Dessen muß man sich bewußt werden...
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BeitragGeschrieben: Sam Feb 14, 2004 7:20 pm    Titel: Antworten mit Zitat

frau nennen, wo frau anwesend ist...
neulich im TV gehört:

»und dann sucht der mensch sich eine frau«

»meine damen und herren, gehen sie mal mit ihrer frau ins kino«

sprache kann perfide und entlarvend sein.
A.
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BeitragGeschrieben: Sam Okt 23, 2004 9:29 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Miteinander,

dies ist mein erster Tag und mein erstes posting hier Very Happy

Wie wichtig eine Sprachveränderung für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in diesem Lande ist, dafür hat mir spätestens dieser Vortrag die Augen geöffnet: Herren sind herrlich - sind Damen dämlich?

Seitdem arbeite ich aktiv daran, Männer und Frauen zum Nachdenken über unsere Sprache zu bewegen Smile

Falls hier lesende Damen oder Herren mir weitere Lesetipps geben könnten: DANKE!

Gruß
ReniTente
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BeitragGeschrieben: Sam Dez 18, 2004 11:49 pm    Titel: Wehrpflicht/Gebärpflicht Antworten mit Zitat

Geht es nach den neuen Vätern, so sollten wir wohl analog zur Wehrpflicht für Frauen die Gebärpflicht für Männer einführen! Das wäre nach deren Logik konsequenterweise gerecht. Der Realitätsverlust der an solchen Konzepten Beteiligten dürfte sich wohl unschwer erschließen.
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BeitragGeschrieben: Don Dez 30, 2004 3:51 am    Titel: Re: ein gräßlicher Auswuchs! Verbesserungen sind erwünscht Antworten mit Zitat

Hannelore hat folgendes geschrieben:
Wieviele gibt es, die Fremdwörter sinnverfälscht verwenden? Meistens ist das eher komisch, und das mit der "Gästin" ist es ebenfalls.
Gast ist schon so lange Bestandteil deutscher Sprache, dass es auf der Plattform der Lexika http://wissen.de nicht mal mehr einen Verweis auf ein Fremdwörterbuch dazu gibt. Auch "Gäste" ist vertraut und gilt als korrekt, was also stimmt mit Gästin nicht? War nicht ein Kriterium vernünftigen Frauen-Sprachgebrauchs dass es sich um Personen handelt? Und sind Gästinnen etwa Unpersonen?
Fragen über Fragen.
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BeitragGeschrieben: Don Jan 06, 2005 4:47 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Es klingt ungewohnt. Mehr aber auch nicht. Ich habe mich mittlerweile an Gästin gewöhnt. Die deutsche Sprache ist sehr flexibel.
Ich persönlich bin nicht der Meinung dass extra Nennen der weiblichen Form das Lesen nicht schwerer macht.
Was macht man eigentlich bei des Schülers, der Schülerin? Muss das wirklich so lang geschrieben werden?

Und ich erinnere mich daran: Meine Eltern und ich waren vor ein paar Tagen auf der Bank um ein Sparbuch für mich anzulegen.
Ich habe mich ziemlich aufgeregt, da
- in dem Brief nur mein Vater angesprochen worden ist
- über "des Jugendlichen" geschrieben war
- die Unterschrift meiner Mutter nicht benötigt worden wäre ("Es reicht wenn einer unterschreibt." Und er gab das Formular meinem Vater)
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